Deutscher erbt Immobilie in Polen: Praktischer Ratgeber für deutsche Erben (2026)
Du hast in Polen eine Immobilie geerbt und fragst dich: verkaufen, behalten oder vermieten?
Vermietung bringt oft 4–6 % Netto-Rendite, Renovierungen kosten im Schnitt 2.500–3.500 PLN/m² und ein Verkauf kann je nach Lage 300.000 bis über 600.000 PLN einbringen.
Zudem musst du Wechselkursgebühren von Polen nach Deutschland berücksichtigen. Denn mit Wise sparst du bei der Überweisung nach Deutschland bis zu 90 % Gebühren. Wir klären auf:
- Vermietung bringt max 4–6 % Netto-Rendite jährlich / Mittelstadt/Land: 2,5–3,5 %
- Renovierungskosten: Ø 2.500–3.500 PLN pro m²
- Verkaufspreise: 3.000–12.000 PLN/m² je nach Lage
- Steuerfreier Verkauf, wenn Erblasser über 5 Jahre Eigentümer
- Mit Wise bis bei Überweisungsgebühren sparen
Was tun, wenn du eine Immobilie erbst?
Du hast im Wesentlichen vier Möglichkeiten. Welche davon sinnvoll ist, hängt von deiner Situation, der Immobilie und dem Marktumfeld ab. Die Hauptwege sind:
Du kannst die Immobilie vermieten
- Vorteil: Du behältst die Immobilie als Kapitalanlage und generierst regelmäßige Mieteinnahmen + laufende Einnahmen und langfristige Wertsteigerungschance. Zudem bleibt das Vermögen erhalten.
- Nachteil: Du wirst Vermieter mit allen Pflichten, von Instandhaltung bis Mietverwaltung auf Distanz. Diese Option eignet sich, wenn Lage und Zustand der Immobilie eine verlässliche Vermietung erlauben und du bereit bist, Zeit in Management oder einen Verwalter zu investieren
Du kannst die Immobilie Selbst nutzen
- Vorteil: Wenn du ohnehin einen Umzug planst, kann das Objekt deine Mietkosten ersetzen und langfristig Vermögensbildung durch Eigenkapitalaufbau ermöglichen. In diesem Fall wandelst du Wohnkosten in Vermögenswerte um.
- Nachteil: Gleichzeitig bindest du jedoch erhebliches Kapital in einem einzigen, illiquiden Vermögenswert. Dieses Kapital steht dir nicht mehr für andere Investitionen oder unternehmerische Chancen zur Verfügung. Zudem trägst du sämtliche Instandhaltungs- und Modernisierungskosten allein, unabhängig davon, ob der Marktwert steigt oder stagniert.
Du kannst die Immobilie renovieren und verkaufen
- Vorteil: Durch gezielte Renovierungen lässt sich der Marktwert oft deutlich steigern, sodass du einen höheren Verkaufspreis erzielst.
- Nachteil: Sanierungen erfordern Kapital, Zeit und birgen Risiken (Kostenüberschreitungen, Baustress). Diese Strategie lohnt nur, wenn Renovationskosten und Aufwand in gesundem Verhältnis zum Wertzuwachs stehen.
Verkauf im Ist-Zustand
- Vorteil: schnelle Liquidität und kein weiterer Aufwand. Gerade bei Immobilien in mäßigem Zustand oder ungünstiger Lage vermeidest du so Folgekosten und potenziellen Ärger.
- Nachteil: Der Verkaufspreis fällt eventuell niedriger aus, weil Wertsteigerungspotenziale ungenutzt bleiben. Diese Option ist ratsam, wenn du weder Aufwand noch Risiken tragen möchtest und das Marktumfeld einen vernünftigen Preis hergibt.
Zustand und Wert der Immobilie ermitteln
Um den Zustand und Wert deiner neuen Immobilie einschätzen zu können, musst du ein paar wichtige Fragen analysieren. Hierzu ziehst du bestenfalls eine professionelle Begutachtung heran. Diese müssen das Haus dann gründlich prüfen. Und zwar nach Fragen wie:
- Wie ist der bauliche Zustand?
- Welchen realistischen Marktwert hat die Immobilie heute?
- Gibt es Feuchtigkeitsschäden oder Schimmel?
- Wie steht es um Dach, Fenster und Fassade?
- Gibt es alte Elektroleitungen, schlechte Dämmungen oder einen alten Heizkessel?
In Polen übernehmen das zertifizierte Immobilienbewerter, sogenannte „rzeczoznawca majątkowy“. Sie erstellen ein Verkehrswertgutachten, das dir eine objektive Grundlage gibt, sowohl für eine mögliche Erbschaftsteuer-Erklärung als auch für deine Entscheidung. Hier die Details:
1. Du musst die Bausubstanz prüfen (lassen)
Viele geerbte Häuser, besonders ältere Familienimmobilien auf dem Land, zeigen typische Alterserscheinungen. Prüfe Dach, Fundament und Mauerwerk auf Risse, Feuchtigkeit oder sichtbare Schäden (gibt es Hinweise auf Schimmel? Steht Wasser im Keller?)
In vielen älteren polnischen Häusern ist die Dämmung unzureichend, Fenster sind einfach verglast, und energetische Standards entsprechen nicht dem heutigen Niveau. Auch die Elektrik und die Sanitärinstallationen sollten kritisch betrachtet werden. Häuser aus den 1950er- oder 1960er-Jahren benötigen oft eine vollständige Erneuerung von Leitungen, Heizung und Stromversorgung. Das kann kostenintensiv werden.
2. Man muss die Renovierungskosten (richtig) einschätzen
Bau- und Handwerkerpreise sind in Polen zwar häufig niedriger als in Deutschland, aber auch dort sind sie zuletzt gestiegen. Grobe Richtwerte liegen derzeit bei etwa 2.500 bis 3.500 PLN pro Quadratmeter, also rund 580 bis 810 Euro pro Quadratmeter für typische Renovierungen.
In Großstädten wie Warschau können Kernsanierungen sogar 700 bis 1.000 Euro pro Quadratmeter kosten. In kleineren Städten sind einfache Modernisierungen teilweise ab etwa 280 Euro pro Quadratmeter möglich.
3. Marktwert und Lageanalyse
Die Lage ist immer der zentrale Faktor. Vergleiche Quadratmeterpreise ähnlicher Objekte in der Region. In Metropolen wie Warschau, Krakau oder Danzig sind die Preise in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Knappes Angebot und hohe Nachfrage haben dort ein hohes Preisniveau etabliert.
Betrachte daher das Umfeld nüchtern. Gibt es gute Verkehrsanbindungen, Arbeitsplätze, Infrastruktur, Schulen? Eine attraktive Lage erhöht sowohl die Vermietbarkeit als auch den potenziellen Verkaufspreis. Ein abgelegenes Grundstück ohne erkennbare Entwicklungsperspektive kann hingegen langfristig an Wert verlieren.
Geerbte Immobilie vermieten
Wenn du dich entscheidest, die Immobilie zu behalten und zu vermieten, beginnt die praktische Phase. Oft liegen Mietrenditen in guten Lagen Polens bei 3–5% jährlich vom Immobilienwert
Doch zuerst solltest du klären, ob bereits ein Mieter im Objekt wohnt. Falls ja, gehen alle Rechte und Pflichten automatisch auf dich über.
Der bestehende Mietvertrag bleibt gültig. Es ändert sich lediglich die Person des Vermieters. Du musst den Mieter über den Eigentümerwechsel informieren und die Daten entsprechend anpassen. Ansonsten läuft das Vertragsverhältnis unverändert weiter. Steht die Immobilie leer, beginnt die aktive Vermietung.
Darfst du rechtlich die Immobilie in Polen vermieten?
Ja, als EU-Bürger darfst du in Polen ohne besondere Genehmigung Eigentum besitzen und vermieten. Entscheidend ist jedoch, dass du auch formell als Eigentümer im Grundbuch („księga wieczysta“) eingetragen bist. Erst dann bist du rechtlich eindeutig Vermieter.
Mietersuche nach geerbter Immobilie
Eines muss natürlich bedacht werden. Wohnst du weiterhin in Deutschland oder lebst du in Polen? Denn aus der Entfernung ein Mietverhältnis zu begleiten, kann (muss aber nicht) anstrengend sein. Ein zuverlässiger Mieter ist der Erfolgsfaktor.
Inseriere auf gängigen polnischen Immobilienportalen wie Otodom oder OLX. Du solltest damit rechnen, dass Anfragen auf Polnisch kommen. Wenn deine Sprachkenntnisse begrenzt sind, organisiere Unterstützung für Besichtigungen und Vertragsverhandlungen.
Den Mietvertrag ordentlich gestalten
Ein schriftlicher Mietvertrag nach polnischem Recht ist faktisch Pflicht. Er sollte die Nettomiete, Nebenkosten, Kaution (üblich sind ein bis drei Monatsmieten), Kündigungsfristen und Übergabeprotokolle klar regeln. Dokumentiere den Zustand bei Übergabe detailliert.
Prüfe die Bonität des Mieters so gut wie möglich. Einkommensnachweise und Referenzen reduzieren Ausfallrisiken erheblich. Ein Monat Leerstand ist oft günstiger als ein langfristiger Konflikt mit einem zahlungsunfähigen Mieter.
Mietverwaltung aus der Distanz
Die praktische Herausforderung beginnt im Alltag. Wer organisiert Reparaturen? Wer reagiert bei Wasserschäden? Hier hast du zwei Modelle:
1. Entweder du arbeitest mit einem lokalen Netzwerk aus Handwerkern, Bekannten oder Vertrauenspersonen. Dann solltest wissen, bei wem du dich meldest und einen Ansprechpartner vor Ort benennen, der im Notfall Zugang hat.
2. Oder du beantragst eine professionelle Hausverwaltung. Solche Dienstleister übernehmen Mieterauswahl, Inkasso, Nebenkostenabrechnung, Reparaturkoordination und Objektkontrolle. Die Gebühren liegen häufig zwischen fünf und zehn Prozent der Mieteinnahmen. Das reduziert deine Belastung, kostet aber Rendite.
Lohnt sich das Vermieten finanziell?
Am Ende zählt die Nettorendite. Wie viel bleibt dir nach Steuern, Verwaltung, Instandhaltung und eventuellen Leerständen? In guten Lagen Polens liegen Bruttorenditen häufig im Bereich von drei bis fünf Prozent des Immobilienwerts. Dem steht die Alternative eines Verkaufs gegenüber, bei dem du das Kapital anders investieren könntest (jedoch auch mehr Steuern zahlen musst).
Vermieten ist also ein langfristiges Engagement. Es setzt Stabilität, Liquiditätsreserve und Geduld voraus. Wenn du jedoch an die wirtschaftliche Entwicklung Polens glaubst und die Immobilie in einer soliden Lage liegt, kann dieses Modell sinnvoll sein. Das geht jedoch auch in die andere Richtung: schlechte Lage, wenig Industrie und kein Wachstum, kann zu einem Preisverfall der Immobilie führen.
Mieteinnahmen nach Deutschland überweisen
Stehen die ersten Mieten auf deinem polnischen Konto, stellt sich die Frage: Wie gelangen die Gelder möglichst verlustfrei nach Deutschland? Warum diese Frage so wichtig ist, liegt daran, dass Polen (obwohl in der EU) keinen Euro hat. Man muss also das Geld in Euro wechseln lassen, was hohe Wechselgebühren mit sich bringt, wenn man hier nicht richtig handelt.
Spezialisierte Dienstleister mit Multiwährungskonto (Polen & Deutschland)
Wer Geld von der einen Währung zur anderen bringen muss, ist bei einem Fintech-Dienstleister Wise, OFX und Revolut gut aufgehoben.
Diese Dienstleister arbeiten in der Regel mit dem Devisenmittelkurs, also dem echten Marktkurs ohne Aufschlag. Statt über den Wechselkurs verdienen sie eine transparente, prozentuale Gebühr. Bei Wise liegt diese häufig im Bereich von etwa 0,5 bis 0,7 Prozent des Betrags. Bei 500 Euro entspräche das ungefähr 2,50 bis 3,50 Euro.
Ein Vergleich zeigt die Ersparnis: Überweist eine polnische Bank etwa 150.000 PLN nach Deutschland, kämen 2 - 3 % Wechselkursaufschlag drauf, 10 Euro Grundgebühr (+ Kosten je nach Kontotyp) hinzu. Im Umkehrschluss bedeutet das einen effektiven Verlust von rund 974 Euro gegenüber dem Marktkurs von Wise.
| PKO BANK POLSKI | Wise | |
|---|---|---|
| Ausgangsbetrag | 150.000 PLN | 150.000 PLN |
| Effektiver Kurs | eigenr Bankenkurs | Marktmittelkurs |
| Gebührenstruktur | versteckt im Kurs + 10 EUR | transparente Gebühr |
| Auszahlungsbetrag | 34.236,58 EUR | 35.222,99 EUR |
| Effektiver Verlust | ca. 974,69 EUR | ca. 224,79 EUR |
| Differenz zugunsten Wise | – | ≈ 986 EUR mehr |
3 Tipps zur Renovierung und Wertsteigerung
Ein erfahrener Investor würde nüchtern kalkulieren, ob die Rendite der Sanierung positiv ist. Das heißt, jeder investierte Euro sollte den Immobilienwert um mehr als einen Euro erhöhen, sonst war die Mühe vergebens.
In der Praxis ist diese Rechnung knifflig, da Marktpreise von Angebot und Nachfrage abhängen. Dennoch lassen sich einige Grundsätze formulieren.
1. Notwendige Renovierungen vs. Nicht-notwendige Kosten
Notwendig ist alles, was Funktion und Sicherheit betrifft. Ein undichtes Dach kostet schnell 15.000 bis 30.000 Euro, eine neue Heizung 8.000 bis 20.000 Euro, die Erneuerung der Elektrik ebenfalls mehrere tausend Euro. Solche Mängel drücken den Verkaufspreis deutlich. Reine Luxusmaßnahmen rechnen sich seltener. Eine Küche für 25.000 Euro oder ein Designerbad für 18.000 Euro bringen beim Verkauf oft nur 30 bis 50 Prozent zurück.
Sinnvoller sind neutrale Maßnahmen: frischer Anstrich für 2.000 bis 4.000 Euro, gepflegte Böden, aufgeräumtes Grundstück. Energieeffizienz wie neue Fenster (10.000–20.000 Euro) kann helfen, amortisiert sich aber meist erst langfristig.
3. Kosten kontrollieren und Angebote vergleichen
Hol dir für jede Maßnahme mindestens drei Angebote ein. In Polen liegen Handwerkerkosten oft 20–40 % unter deutschem Niveau, dennoch variieren die Preise stark. Vereinbare schriftliche Verträge mit klarer Leistungsbeschreibung und möglichst festen Preisen. Zahle nicht mehr als 10–20 % im Voraus. Sinnvoll sind Teilzahlungen nach Baufortschritt, etwa 30 % nach Rohinstallation, 30 % nach Fertigstellung und den Rest nach Abnahme.
3. Wertsteigerung realistisch einschätzen
Ein modernes Bad für 12.000 Euro oder eine solide Küche für 15.000 Euro erhöhen die Verkaufsattraktivität, bringen aber meist nur 50–70 % der Investition zurück. Technische Erneuerungen wie neue Leitungen für 10.000 Euro sind Voraussetzung für Verkauf, erhöhen aber selten den Preis im gleichen Umfang. Man muss die Wertsteigerung realistisch einschätzen. Was ist wichtig, was nur Luxus? Auch das sind notwendige Entscheidungen.
Immobilie erfolgreich verkaufen
Der erste Schritt ist eine realistische Einschätzung des Immobilienmarkts am betreffenden Ort. Informiere dich über die aktuelle Marktlage in Polen: In wachstumsstarken Städten wie Warschau, Krakau oder Danzig sind die Preise in den letzten Jahren gestiegen, während in strukturschwächeren Regionen die Nachfrage geringer sein kann. Das bringt uns zu folgenden Ideen:
1. Markt-Timing und Strategie
Nur selten trifft man den perfekten Verkaufszeitpunkt. Vor 2 - 3 Jahren sind die Hypothekenzinsen in Polen zeitweise auf über 7 % gestiegen. Das hat die Nachfrage gebremst. In solchen Phasen stagnieren Preise oder wachsen langsamer. Wenn du das Geld nicht sofort brauchst, kannst du abwarten. Liegt die Immobilie jedoch in einer strukturschwachen Region, bringt das Warten oft wenig.
Rechne konkret: Marktwert heute 500.000 PLN. Fällt der Markt um 5 %, verlierst du 25.000 PLN. Steigt er um 5 %, gewinnst du 25.000 PLN. Setze dir daher einen realistischen Mindestpreis, idealerweise auf Basis eines Gutachtens (ca. 1.500–3.000 PLN).
2. Professionelle Vermarktung
Ein Makler verlangt meist 2–3 % Provision. Bei 600.000 PLN sind das 12.000–18.000 PLN. Dafür übernimmt er Vermarktung und Verhandlungen. Verkaufst du selbst, investiere in professionelle Fotos. Gib alle relevanten Daten offen an. Verschweigen von Mängeln führt später zu Preisabschlägen.
3. Verhandlung und Abwicklung
Ein seriöser Käufer wird mit dir möglicherweise einen Kaufvorvertrag (Umowa przedwstępna) beim Notar unterzeichnen und eine Anzahlung leisten, während er seine Finanzierung endgültig klärt.
Das ist in Polen üblich. Spätestens zu diesem Zeitpunkt solltest du einen Notar einschalten. Beachte dabei: Der polnische Notar wird verlangen, dass die Frage der Erbschaftsteuer geklärt ist, bevor der eigentliche Kaufvertrag beurkundet werden kann.
Deshalb solltest du rechtzeitig die „Steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung“ vom polnischen Finanzamt besorgen. Sie bestätigt, dass entweder keine Erbschaftsteuer anfällt oder diese bereits ordnungsgemäß bezahlt wurde.
Verkaufserlös günstig nach Deutschland überweisen

Nach dem Verkauf liegt der Erlös meist in Złoty auf deinem polnischen Konto. Jetzt entscheidet der Wechselkurs darüber, wie viel davon in Deutschland ankommt. Wie bereits erläutert, sind nicht die sichtbaren Überweisungsgebühren das Problem, sondern die intransparente Bankmarge im Wechselkurs.
Bei größeren Summen wirkt sich das massiv aus. Wenn du etwa 500.000 PLN über eine klassische Bank umtauschst, können durch einen schlechten Kurs schnell mehrere tausend Euro verloren gehen. Das Geld verschwindet nicht als „Gebühr“, sondern im Umrechnungsspread. Bei 300.000 PN können rund 3.000 - 4.000 PLN (700 - 1000 Euro) anfallen (siehe Vergleich oben).
Sinnvoll ist oft folgender Weg: Du überweist PLN inländisch auf dein Wise-Konto und tauschst dort in Euro. So vermeidest du SWIFT-Kosten und unnötige Wechselkursverluste.
Steuern optimieren und verwalten
Bei Vermietung in Polen entstehen Pflichten gegenüber dem polnischen Finanzamt. Aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens mit Deutschland dürfen Mieteinkünfte aus polnischen Immobilien nur in Polen besteuert werden.
In Deutschland sind sie dann steuerfrei, unterliegen aber dem Progressionsvorbehalt, das heißt, sie können deinen Steuersatz für andere Einkünfte erhöhen.
Du musst dich dafür in Polen steuerlich registrieren, also eine Steuernummer (NIP) beantragen, falls noch nicht vorhanden, und die Mieteinnahmen dort deklarieren. Hier kannst du zwischen zwei Besteuerungsarten wählen.
- Pauschalsteuer (ryczałt): 8,5 % auf die Mieteinnahmen. Ab einem bestimmten Jahresbetrag steigt der Satz für den darüberliegenden Teil auf 12,5 %. Dabei dürfen keine Ausgaben abgezogen werden. Die Steuer berechnet sich vom Bruttomietbetrag.
- Allgemeine Besteuerung: Hierunter fällt entweder die normale Einkommensteuer mit Progression (18 % Grundsteuersatz, 32 % ab ca. 120.000 PLN Jahreseinkommen) oder eine freiwillige pauschale Flatrate von 19 %. Bei diesen Varianten darfst du alle mit der Vermietung zusammenhängenden Kosten absetzen. Dazu zählen Instandhaltung, Reparaturen, Versicherungen, Hausgeld, Kreditzinsen und ganz wesentlich Abschreibungen auf die Immobilie.
Für gebrauchte Immobilien beträgt der Abschreibungssatz in Polen 10 % pro Jahr, wenn die Immobilie beim Kauf oder Erbfall älter als fünf Jahre war. Das bedeutet, du kannst über zehn Jahre den Gebäudewert steuerlich geltend machen.
In der Praxis führt das oft dazu, dass in den ersten Jahren keine polnische Einkommensteuer auf die Vermietung anfällt, weil Abschreibung und Ausgaben die Mieteinnahmen rechnerisch übersteigen. Diese Variante erfordert jedoch eine Buchführung der Einnahmen und Ausgaben sowie jährliche Steuererklärungen (hier hilft dir ein Steuerberater).
4 Häufige Fehler vermeiden
Gerade in der Aufregung und Neuheit einer Auslandsimmobilie schleichen sich leicht Fehler ein. Wir nennen einige häufige Fallstricke, damit du diese bewusst umgehen kannst:
- Sanierung zu niedrig kalkuliert: Viele unterschätzen die Renovierungskosten. Ein neues Bad kostet in Polen im Schnitt 15.000–25.000 PLN (3.500–5.800 €), eine komplette Haussanierung leicht über 150.000 PLN (ca. 35.000 €). Ohne professionelle Begutachtung können die Kosten 30–50 % über der Schätzung liegen.
- Marktlage falsch eingeschätzt: Ein Haus im ländlichen Masuren erzielt oft nur 2.500–3.000 PLN/m², während in Warschau über 12.000 PLN/m² gezahlt werden. Wer Preise zu hoch ansetzt, riskiert monatelangen Leerstand oder muss später mit Preisnachlass verkaufen.
- Wichtige Dokumente fehlen: Ohne eingetragene Erbfolge oder Steuerfreistellung blockiert der Notar den Verkauf. Die Nachtragungsgebühr im Grundbuch liegt bei ca. 200 PLN, Verzögerungen kosten dich aber Wochen
- Steuerliche Fristen versäumt: Die Meldung des Erbes in Polen muss innerhalb von 6 Monaten erfolgen, sonst drohen bis zu 20 % Nachzahlungszinsen auf die Erbschaftssteuer. Auch Vermietung ohne Steuernummer (NIP) ist ein Risiko: Bei fehlender Meldung drohen Bußgelder bis 5.000 PLN.
- Überhöhte Transfergebühren gezahlt: Ein Verkaufserlös von 500.000 PLN kann bei einer normalen Banküberweisung über 10.000 PLN an Gebühren und schlechtem Kurs verlieren. Mit Anbietern wie Wise lässt sich dieser Betrag in der Regel erheblich senken.
Entscheidungshilfe: Verkaufen oder behalten?
Am Ende läuft vieles auf die Frage hinaus: Willst du die Immobilie langfristig halten, oder ist ein Verkauf sinnvoller? Folgendes kann helfen:
Stell die Nettomieteinnahmen den heutigen Verkaufswerten gegenüber (mach das jedoch mit den Werten deiner Immobilie). Hier ein Beispiel:
- Marktwert: 400.000 PLN
- Netto-Miete (nach Kosten und Steuern): 18.000 PLN/Jahr
- Rendite: 18.000 ÷ 400.000 = 4,5 %
Liegst du über 4 % Netto-Rendite, lohnt sich das Halten oft, vorausgesetzt, der Aufwand ist für dich tragbar. Liegt die Rendite darunter, solltest du überlegen, ob ein Verkauf und alternative Anlage besser zu deiner Lebensplanung passt.
Rechne zudem mit Entwicklung: Steigen die Preise jährlich um 3 %, wäre deine Immobilie in 10 Jahren ca. 537.000 PLN wert (Zinseszins). In Regionen mit rückläufiger Nachfrage kann der Wert aber stagnieren oder sinken.
Fazit
Im ersten Jahr nach dem Erbantritt empfiehlt es sich, nacheinander vorzugehen. Kläre die Formalitäten wie Grundbuch, Erbschein und steuerliche Meldungen. Ermittle den realistischen Marktwert durch ein Gutachten und eine Marktanalyse. Stelle dir die entscheidenden Fragen: Ist die Immobilie rentabel? Brauchst du Liquidität? Möchtest du selbst einziehen? Hast du die zeitliche Kapazität für Verwaltung?
Auf dieser Grundlage triffst du deine Entscheidung: behalten oder verkaufen. Jede Option erfordert einen konkreten Maßnahmenplan. Und denke daran:
Man spart viel Geld, wenn man ein Konto bei einem Dienstleister wie Wise eröffnet und dort die bei der Immobilie anfallenden Beträge zu günstigeren Wechselkursen hält, überweist und selbstverständlich auch empfängt.
FAQ
Welches Erbrecht gilt für Deutsche in Polen?
Nach der EU-Erbrechtsverordnung richtet sich das Erbrecht grundsätzlich nach dem letzten gewöhnlichen Aufenthaltsort des Verstorbenen, unabhängig von dessen Staatsangehörigkeit. Lebte ein Deutscher zuletzt dauerhaft in Polen, findet daher in der Regel polnisches Erbrecht Anwendung, sofern im Testament keine andere Rechtswahl getroffen wurde.
Was muss ich tun, wenn ich ein Erbe im Ausland erbe?
Zunächst muss die Erbenstellung offiziell nachgewiesen werden, was in Polen entweder über ein gerichtliches Verfahren, ein notarielles Nachlassprotokoll oder ein Europäisches Nachlasszeugnis (ENZ) erfolgen kann. Zudem müssen wichtige Fristen beachtet werden, wie die sechsmonatige Frist zur Annahme oder Ausschlagung des Erbes sowie zur Meldung beim polnischen Finanzamt.
Welches Erbrecht gilt für Deutsche im Ausland?
Für Deutsche im Ausland gilt seit 2015 grundsätzlich das Erbrecht des Staates, in dem sie zum Zeitpunkt ihres Todes ihren Lebensmittelpunkt hatten. Deutsche Staatsbürger haben jedoch die Möglichkeit, in ihrem Testament explizit festzulegen, dass stattdessen das Erbrecht ihres Heimatlandes (deutsches Recht) für ihren gesamten Nachlass gelten soll.
Hat Polen eine Erbschaftssteuer?
Ja, in Polen wird eine Erbschaftssteuer erhoben, deren Höhe vom Verwandtschaftsgrad und dem Wert des Erbes abhängt und zwischen 3 % und 20 % liegt. Enge Familienangehörige können jedoch vollständig von der Steuer befreit werden, wenn sie den Erwerb innerhalb von sechs Monaten fristgerecht beim polnischen Finanzamt melden.